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Osternachtwanderung 2009

Es war noch stockfinstere Nacht, als sich am Ostersonntag gegen 4.45 h etwa 40 Menschen aus allen Altersschichten vor dem ref. Kirchgegemeindehaus einfanden, um an der schon traditionellen Osternachtwanderung teilzunehmen.
Ein Jahr zuvor herrschten noch geradezu winterliche Verhältnisse mit eisigem Wind und starkem Schneefall. Diesmal wehte fast schon ein laues Lüftchen, als sich die Schar pünktlich beim 5-Uhr-Schlag der Kirchenglocke in Richtung Waldweiher auf den Weg machte. Oberhalb der nächtlich beleuchteten Rütistrasse und unmittelbar am Waldrand verharrte die Gruppe zu österlichen Gedanken, vorgetragen von unserer Pfarrerin Susanne Rüegg. Einige der anwesenden Konfirmanden, die sich anlässlich der Begrüssung bei der Kirche noch mit einem müden „mir müent mit cho....“ äusserten, verteilten mit einem nunmehr freundlichen Lächeln an alle Teilnehmer Kerzen, deren helles Licht den dunklen Waldweg erhellte.

 

Vor der Hütte beim Waldweiher hatten inzwischen Jann Rapp und seine fleissigen Helfer (darunter natürlich auch sein Sohn Silvan, der schon bei anderen Anlässen für eine behagliche Glut im Wald zuständig war) ein herrlich loderndes Feuer entzündet. Darüber wurde in einem grossen Kessel ein feiner Tee zubereitet. Jann Rapp sprach über die biblische Bedeutung des Feuers und -begleitet von Frau Leuenberger auf der Querflöte- sang die nächtliche Schar das Lied „En Funke isch scho gnueg“...

 

Anschliessend ging es weiter durch den noch nächtlichen Wald. Und plötzlich, fast schon wie auf ein Kommando, hörte man die erste Amsel. Innerhalb von Minuten hatte man den Eindruck, dass alle Vögel im Wald den neuen Tag geradezu herbeisehnten. Sogar etliche Spechte beteiligten sich mit ihrem Klopfen an diesem Frühkonzert.
Und endlich, auf der Höhe des „Feldenmaas“, sah man die ersten rötlichen Streifen am Himmel. Jeder schaute hin und wieder zurück Richtung Osten, um nicht den „richtigen Zeitpunkt“ zu verpassen. In diesem Moment dachte ich ganz bewusst an die „Morgenstimmung“ aus der „Peer Gynt Suite“ von Edvard Grieg...
Vorher gab es jedoch noch einen ganz besonderen Augenblick. Beim Wald- ausgang, direkt vor dem „Feldenmaas“, stand ein schlichtes Holzkreuz.

 

Die Schar stellte sich im Halbkreis davor auf und Jürg Müller beschrieb mit seinen Worten die Bedeutung des Kreuzes in früher und in heutiger Zeit. Seiner Aufforderung, den jeweils mitgebrachten Stein dort zu deponieren und alle Last des Alltags damit symbolisch zurückzulassen, kamen alle sehr gern nach.

 

Weiter ging es Richtung Frohmoos, ständig die mehr und mehr aufgehende Sonne im Rücken.
Es folgte auf freiem Feld ein weiterer Zwischenhalt, der uns doch sehr zum Nachdenken anregte. Jugendliche werden meistens wegen ihres (altersbedingten) Verhaltens von uns Erwachsenen kritisiert. Doch diese Konfirmanden forderten uns einfach auf, mit dem Wasser, das sie aus dem angrenzenden Bach geschöpft hatten, Angehörige, Freunde und andere Mitmenschen zu segnen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Aber genau die ganz besondere Symbolkraft (ähnlich wie bei einer Taufe) zauberte strahlende Gesichter hervor.

 

Weiter ging es Richtung „Frohmoos“. Unmittelbar vor dem Waldrand zeigte die Uhr den offiziellen Sonnenaufgang (6,55h) an. Leider war die Höhe der Albiskette ein wenig im Weg. Ausserdem verhinderten Schleierwolken einen geradezu überwältigenden Anblick. Das gemeinsam vorgetragene Lied „die güldene Sonne“ trug dennoch zur weiteren Erhellung bei.

 

Auf dem Weg zur Waldhütte Bonstetten hätten wir beinahe einige Kinder „verloren“, die mit sich selbst (offenbar vorpubertär bedingt...) mehr beschäftigt waren als mit dem eigentlichen Anlass.
Dort angekommen, wurden erneut von den Konfirmanden Fragen im Zusammenhang mit Ostern gestellt. Vorher versteckte Ostereier durften anschliessend von denjenigen, die richtige Antworten parat hatten, gesucht und natürlich auch gefunden werden. Interessanterweise waren die Kinder erfolgreicher als die Erwachsenen!

 

Anschliessend konnten wir den Anblick des langsam erwachenden Dorfes geniessen.

 

Bonstetten ist einfach ein kleines Bijou im Säuliamt!

 

In der Kirche erwartete uns bereits unsere Organistin Maria Mark zusammen mit zwei Trompetern, die u. a. das „In mir klingt ein Lied“ von Chopin (Text von Ernst Marischka) gemeinsam vortrugen.

 

Susanne Rüegg fand einmal mehr die passenden Worte, um diesen unvergesslichen Morgen in der Kirche ausklingen zu lassen.

 

Zum anschliessenden Frühstück im ref. Kirchgemeindehaus trafen sich fast alle Teilnehmer der Osternachtwanderung 2009 erneut, um bei Kaffee, Zopf, Käse und mitgebrachten Konfitüren etc. etc. eine weiterhin gemütliche Stunde zu verbringen.

Ich kann mir nur wünschen, dass im nächsten Jahr erneut so viele Menschen an der Osternachtwanderung teilnehmen werden.

Text: Giesela Adamski
Fotos: Yvonne Illi