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Predigt vom 25. Februar 2016 zum Tag des Wassers

Lesung: Psalm 104, 1-15 (Luther 2017)
Predigttext: Johannes 4,3-14, Jesus und die Frau am Brunnen (Gute Nachricht)


Liebe Gemeinde,

haben Sie schon mal etwas von Dihydrogenmonoxid gehört? Wie der Name schon vermuten lässt - er klingt ja irgendwie nach Kohlenmonoxid - handelt es sich hierbei um eine sehr gefährliche Substanz. Das Einatmen kleinster Mengen dieser Substanz löst starke Hustenanfälle aus, das Einatmen grösserer Mengen führt innert kurzer Zeit zum Tod. In gasförmigem Zustand kann es schwerste Verbrennungen verursachen; in fester Form führt schon längeres Berühren zu schmerzhaften Gewebeschäden. Darüber hinaus ist es Hauptbestandteil des sauren Regens, beschleunigt die Korrosion und den Ausfall elektrischer Geräte. Und trotzdem - trotz seiner Gefährlichkeit ist der Umgang mit dieser Substanz immer noch nicht verboten! Warum nur nicht? Nun, man könnte hier eine Verschwörung oder sonstwie dunkle Machenschaften der Industrie vermuten, aber der Fall liegt anders. Was ist denn Dihydrogenmonoxid genau? Di - hydrogen - mono - oxid, 2 mal Wasserstoff, einmal Sauerstoff; H2O: nichts anderes als Wasser. Es handelt sich hier um einen wissenschaftlichen Scherz - jaa, auch Wissenschaftler können lustig sein! - der ursprünglich (1994) aufzeigen sollte, wie man durch eine komplizierte Namensgebung und geschickt gewählte Beispiele eine völlig harmlose Substanz verteufeln und Besorgnis in der Bevölkerung auslösen kann. KIar, an gasförmigem Wasser - Wasserdampf - kann man sich verbrühen, und der längere Hautkontakt zu festem Wasser - Eis - tut wirklich nicht gut.

Und wenn Ihnen zu Hause beim Händewaschen das Wasser einmal besonders nass vorkommen sollte, dann liegt das wahrscheinlich an dem speziellen Verhältnis von Dihydrogenmonoxid zu Wasserstoffhydroxid, wobei auch der Anteil an Sauerstoffdihydrid und die spurenmässige Verunreinigung durch Hydritsäure eine Rolle spielen dürfte.

Aber nun Scherz beiseite. Wir alle wissen, welche zentrale Bedeutung das Wasser in unserem Leben spielt.
Wir alle kennen die Sprichwörter und Redensarten

  • - jemandem das Wasser abgraben
  • - jemandem nicht das Wasser reichen können
  • - jemand hat nahe am Wasser gebaut, wenn einer Person schnell die Tränen, das Augenwasser kommt
  • - bis zum Hals im Wasser stehen (hier kommt die gefährlich Seite des Wassers ins Spiel)
  • - stille Wasser sind tief, usw.
Ohne Wasser gibt es kein Leben; das ist uns allen bewusst. Der Mensch besteht zu etwa 80% aus Wasser, und dem Vernehmen nach kann der Mensch 30-40 Tage ohne feste Nahrung überleben aber nur 3-4 Tage ohne Wasser. Beides habe ich noch nicht ausprobiert und stelle mir das auch gar nicht so lustig vor.
Die Wichtigkeit von Wasser kommt auch in den Stimmen zum Ausdruck, die sagen, dass der 3. Weltkrieg, wenn es denn einen gibt, nicht mehr um Territorialansprüche oder wertvolle Bodenschätze, sondern schlicht und einfach um trinkbares Wasser gehen wird.
Dabei haben wir ja noch Glück, dass es bei uns auf der Erde überhaupt Wasser gibt. Denn die Erde befindet sich genau im richtigen Abstand zur Sonne, und zwar in der sog. habitablen, d.h. bewohnbaren Zone, wo es dauerhaft flüssiges Wasser auf der Oberfläche des Planeten geben kann. Wäre die Erde 25% näher an der Sonne, wäre es zu heiss, Wasser käme nur in Form von Dampf vor; wäre die Erde mehr als dreimal soweit entfernt von der Sonne, wie sie es ist. gäbe es Wasser nur in der Form von festem Eis.
Wasser hat einige ausgesprochen interessante physikalische Eigenschaften.
Zunächst ist da die elektrische Eigenschaft des Wassers zu erwähnen, nämlich dass die Wassermoleküle durch ihre asymmetrische Form eine Polarität aufweisen, die man durch ein einfaches Experiment nachweisen kann: Man reibt einen Kunststoffkamm an einem Wolltuch und nähert den Kamm einen Wasserstrahl, der sich dann zum Kamm hinbewegt. Die Wassermoleküle richten sich alle mit dem gleichen Pol in Richtung zum geladenen Kamm und werden dann durch die dort vorhandenen elektr. Ladungen angezogen.

Den ganzen Film finden Sie ganz unten am Ende dieser Seite!

Eine viel wichtigere Eigenschaft des Wassers ist aber die, dass es bei 4° Celsius die höchste Dichte hat. Bei einer Eisenstange ist das nicht so: Diese wird immer kürzer und damit "dichter", je kälter es wird. Nicht so das Wasser.

Bild "Dichteanomalie des Wassers"

Wenn man Wasser abkühlt (im Diagramm also von rechts nach links geht), zieht es sich bis zu einer Temperatur von 4° C zusammen, und wenn man es weiter abkühlt, dehnt es sich wieder aus. Erst unmerklich im Zehntelpromille-Bereich, dann bei Erreichen des Gefrierpunkts schlagartig um etwa 8%. Bei weiterer Abkühlung zieht sich das Eis dann wieder langsam zusammen. Diese sog. "Dichteanomalie des Wassers" hat verschiedene negative und positive Auswirkungen: Der Sprung bei 0° C führt zum gefürchteten Bersten von Wasserleitungen bei Frost im Winter oder von Bierflaschen im Gefrierfach. Und die Eigenschaft der grössten Dichte bei 4° C führt dazu, dass ein See im Winter von oben zufriert, weil einerseits das Eis oben schwimmt, und andererseits das dichtere und damit schwerere Wasser mit seinen 4 Grad nach unten sinkt und so den Fischli und den Pflanzen am Boden des Sees das Überleben ermöglicht.
Zu den chemischen Eigenschaften des Wasser muss an dieser Stelle der Hinweis genügen, dass Wasser sehr viele Stoffe und Chemikalien in sich lösen kann, wodurch etwa die ganze komplexe Chemie in unseren Körperzellen überhaupt möglich wird.
Hier könnte man sich nun fragen, warum es so ist, dass wir in einer habitablen Zone wohnen, und warum das Wasser genau die richtigen physikalischen und chemischen Eigenschaften hat, die das Leben im Wasser und an Land ermöglichen. Dies läuft wieder auf die Frage hinaus, ob wir diese wunderbaren Fügungen einem umsichtigen Schöpfergott oder nur dem Zufall zu verdanken haben. Dies wäre aber wieder ein Thema für eine andere Predigt oder eine Diskussion in anderem Rahmen.

Wasser hat neben den guten aber auch seine schlechten Seiten - es ist nicht nur unabdingbar für das Leben, es kann auch Leben nehmen und Verderben bringen - man kann darin ertrinken, (es soll schon Leute gegeben haben, die in einer Pfütze ertrunken sind); bei Überschwemmungen kann es verheerenden Schaden anrichten - oder, so wie es in der Bibel beschrieben ist, als Sintflut alles Leben auf der Erde auslöschen.
Kommen wir damit also zur Bedeutung des Wassers in der Religion und in der Bibel.
Viele Religionen kennen rituelle Handlungen mit Wasser, die sich meistens auf dessen reinigende Wirkung beziehen, und mit dessen Hilfe Schuld, Sünde und Verfehlung abgewaschen werden soll. Auch wir verwenden Wasser bei der Taufe, und zwar durch dreimalige Übergiessen "im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes". In anderen christlichen Kirchen und besonders bei der Erwachsenentaufe wird der ganze Körper der zu taufenden Person untergetaucht. Nach ursprünglichem Verständnis ging es bei der Taufe mit Wasser um die Reinigung von religiös begründeter Schuld - Sünde oder Erbsünde. Heute steht eher der Gedanke im Mittelpunkt, dass der Täufling durch die Taufhandlung in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wird und die Gnade und den Segen Gottes für seinen Lebensweg erhält..
Befassen wir uns nun mit dem Wasser in der Bibel.
In der Lutherbibel 2017 kommt das Wort Wasser allein oder in Verbindung mit Quelle, Brunnen o.ä. 648 mal vor, dazu 34 mal "Tau" und 67 mal Quelle (allein), insgesamt also fast 750 mal:
- Die erste Erwähnung steht schon in der Genesis im 2.Satz: "und Gottes Geist schwebte über dem Wasser" ,
- die letzten Erwähnungen finden sich in der Offenbarung; und in den beiden letzten Kapiteln ist sogar tatsächlich nicht von irgendeinem Wasser die Rede, sondern vom "Lebendigen Wasser"! Es heisst da:
(21,6) Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes".
(22.1) Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Und zu guter Letzt: (22.17): Und wen dürstet, der komme; wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Von wenigen Stellen in der Bibel abgesehen, etwa da, wo von der Sintflut oder anderen Überschwemmungen die Rede ist, ist der Begriff des Wassers im Grossen und Ganzen eher positiv besetzt, wie z.B. im
- Psalm 104 , den wir eben gehört haben, oder im
- Psalm 23: "[Der Herr] weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser."
Oder denken wir an das auch bei Johannes beschriebene erste Zeichen - oder Wunder - von Jesus an der Hochzeit zu Kana, wo er 6 Krüge à 100 Liter Wasser zu Wein verwandelte, weil der Gastgeber den Durst seiner Gäste wohl falsch eingeschätzt hatte. Und dann war der verwandelte Wein erst noch besser als der vorherige, sodass sich der Bräutigam von seinem Tätschmeister einen Rüffel einfing, warum er nicht zuerst den guten Wein ausgeschenkt habe.
Wenden wir uns nun dem eigentlichen Predigttext zu, der Geschichte vom Jesus am Brunnen mit der Frau aus Samarien. Jesus bittet diese Frau um Wasser aus dem Brunnen, diese wundert sich, dass er sie anspricht, weil sie offenbar von verschiedenen Stämmen sind. Und Jesus sagt: "Wenn du wüsstest, wer ich bin und du würdest mich um Wasser bitten, dann gäbe ich dir 'Lebendiges Wasser'", und führt weiter aus, dass wer aus dem Brunnen trinkt, bald wieder Durst haben wird. Das Wasser hingegen, das er reichen wird, wird einen nie wieder Durst haben lassen, weil es eine Quelle ist, die bis ins ewige Leben weitersprudelt.
Als ich das gelesen habe, war ich zunächst etwas ratlos, was es denn nun genau mit diesem Wasser auf sich hat, und so habe ich verschiedene Bibel-Übersetzungen herbeigezogen, um etwas Licht in die Sache zu bringen:
Luther: [das Wasser] wird in ihm (also in der Person, die es empfängt) eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (persönlich, aber eher träge, so wie Blut aus einer Wunde)
Gute Nachricht: ... weil es eine Quelle ist, die bis ins ewige Leben weitersprudelt. (flinker, flotter, fröhlicher, aber nicht auf die Person bezogen).
Zürcher Bibel: Das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben sprudelt. (dynamisch und persönlich)
Die Neue Genfer Übersetzung geht noch weiter: Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt, bis ins ewige Leben.
(sprudelt nicht, quillt nicht, sondern fliesst, dafür aber auf immer)
Und Hoffnung für alle wird noch deutlicher: Dieses Wasser wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt. (Gibt keine Geschwindigkeit an, dafür aber die Auswirkung: sie schenkt ewiges Leben)
Diese letzten Formulierung bringt zwar für mich am deutlichsten zum Ausdruck, was Jesus mit dem lebendigen Wasser gemeint hat; nämlich dass das Wasser, das er gibt, zu einer Quelle wird, die der empfangenden Person ewiges Leben schenkt - aber da haben wir ein Dilemma, denn die anderen Übersetzungen sagen etwas qualitativ anderes aus: Diese sagen, das Wasser das Jesus einem gibt, wird in einem zu einer Quelle, die ewig sprudelt, also aus einem heraus; somit ein zweistufiger Vorgang: Ich empfange lebendiges Wasser, das dann in mir zu einer Quelle wird, mit wiederum zwei Effekten: Zum einen habe ich nie mehr Durst, zum anderen kann ich dieses Wasser auch weitergeben. Wasser empfangen, um Wasser zu geben. Das erinnert mich an den Segen, den wir manchmal hier in dieser Kirche empfangen: Herr, lass Deine Augen leuchten über uns, dass Dein Licht aus unseren Augen leuchtet.
Dann bleibt aber immer noch die Frage: was genau ist denn das Wasser überhaupt, das Jesus uns geben will? H2O wird es ja kaum sein! Ich als theologischer Laie vermute jetzt mal, dass das mit dem Heiligen Geist zu tun hat, der über uns kommt, wenn wir uns Jesus zuwenden und an ihn glauben, "ihn um Wasser bitten". Dann kommt der hl. Geist und stillt zunächst unseren eigenen Durst, "uns wird nicht mehr dürsten", aber er kann auch durch uns auf andere wirken, "in uns zur Quelle werden". Entscheidend ist, dass wir darum bitten müssen, dann werden wir von Jesus dieses "lebendige Wasser" erhalten, und dieses erst noch, wie es in den beiden Stellen in der Offenbarung heisst, "umsonst", das heisst ohne weitere Gegenleistung.
Damit wäre ich eigentlich am Ende meiner Predigt angelangt, doch zum Schluss noch dies: Wenn wir schon vom Wasser des Lebens sprechen, soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch einige findige Schnapsbrenner den Wert vom "Wasser des Lebens" erkannt haben. Die Dänen haben die lateinische Form von "Wasser des Lebens" = "aqua vitae" für den bekannten Kümmelschnaps "Aquavit" verwendet;
und vom Schottisch-Gälischen uisge beatha ab [ɯʃkʲe 'bɛha], was eben auch "Wasser des Lebens" bedeutet, leitet sich das Wort Whisky ab. Der Unterschied zum wirklichen "Wasser des Lebens", dem "lebendigen Wasser" ist nur, dass diese Getränke den Durst nicht wirklich stillen. - AMEN

                                                                                           Martin Knitsch

Hier der ganze Film des Dipol-Experiments:
(Kamera: Christian Knitsch, Hand: Martin Knitsch, Wasser: Wasserversorgung Bonstetten)

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